Hier informieren wir regelmäßig mit aktuellen Presseinformationen und Meldungen über die Arbeit des BRK Kreisverbands Haßberge.

· Pressemitteilung

Erste Hilfe stärkt Mitverantwortung und Zivilcourage

Michael Will / BRK Haßberge

An den Mittelschulen Ebern und Hofheim beteiligen sich derzeit 19 Mädchen und Jungen am Schulsanitätsdienst. Bei einem Ausbildungswochenende im Rot­kreuz­haus Ebern lernten sie alles Wichtige für ihren Dienst.

EBERN/HOFHEIM - Für manchen Mitschüler sind die Mädchen und Jungen der 7. bis 9. Jahrgangsstufe an den Mittelschulen Ebern und Hofheim Retter in der Not. Nicht etwa, weil sie morgens vor Schulbeginn vergessene Hausaufgaben von ihren Unterlagen abschreiben dürfen. Nein, sie sind immer dann zur Stelle, wenn es um Verletzungen und Erkrankungen im Schulalltag geht. Die insgesamt 19 Schulsanitäter der beiden Schulen sind bei einem Notfall mit die Ersten auf dem Schulgelände, die solange Erste Hilfe leisten bis der Rettungsdienst eintrifft. Damit die Jugendlichen auf ihre Aufgabe bestens vorbereitet sind, veranstaltet Wolfgang Amend jährlich ein Aus- und Fortbildungswochenende für die Schüler im Rotkreuzhaus in Ebern. Der Fachlehrer für Technik und Wirtschaft ist einer der Pioniere auf dem Gebiet des Schulsanitätsdienstes, den es an der Mittelschule Hofheim schon seit dem Jahr 2002 gibt und der zu Beginn des laufenden Schuljahres an der Mittelschule Ebern neu gegründet worden ist. Mit seinem beruflichen Wechsel von der Mittelschule Hofheim nach Ebern ist sozusagen auch der Gedanke des Schulsanitätsdienstes weitergegeben worden. In Hofheim hat die Koordination nun Lehrerin Sabine Schimmer übernommen. Mit dem Schulsanitätsdienst leisten die Mädchen und Jungen einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit für ihre Mitschüler und Lehrer. So sichern sie zum Beispiel Pausen und schulische Veranstaltungen sanitätsdienstlich ab und sind zur Stelle, wenn sich Kinder beim Spielen verletzten oder während des Unterrichts plötzlich erkranken. Sie werden immer dann über ein festgelegtes Meldesystem alarmiert, wenn irgendwo im Schulhaus oder auf dem Schulgelände jemand Erste Hilfe oder Betreuung benötigt. Damit unterstützen und entlasten die Jugendlichen in bestimmten Situationen auch das Lehrerkollegium und das Sekretariat. Vor allem bei kleineren Verletzungen können die Schüler nahezu selbstständig helfen, Mitschülern Erste Hilfe leisten und sie betreuen, bis sie beispielsweise von ihren Eltern aus der Schule abgeholt oder bei sofort behandlungsbedürftigen Verletzungen oder Erkrankungen durch den BRK-Rettungsdienst ins Krankenhaus transportiert werden. „Es ist schön zu sehen, dass bei einigen in der Ersten Hilfe schon eine gewisse Routine zu erkennen ist“, bilanziert Ausbilder Wolfgang Amend. Der Schulsanitätsdienst bietet den Jugendlichen einen echten Mehrwert. Davon ist Amend überzeugt, der selbst ausgebildeter Rettungsassistent ist und regelmäßig an der BRK-Rettungswache in Ebern ehrenamtlich im Rettungsdienst mitarbeitet, sich zudem mit seiner Hündin „Ronja“ ebenfalls ehrenamtlich als Hundeführer in der Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbandes Haßberge engagiert und noch dazu Erste-Hilfe-Ausbilder ist. Die Schüler lernen im Hinblick auf Erste Hilfe sprichwörtlich fürs Leben, denn dieses Wissen wird ihnen später im Beruf, in der Freizeit oder in der Familie in Notfallsituationen sehr nützlich sein. Noch dazu werden ihnen durch den Schulsanitätsdienst von der Schule wichtige Kompetenzen zusätzlich vermittelt, beispielsweise selbstständiges Arbeiten, Teambildung und -arbeit, Verantwortungsbewusstsein, Mitverantwortung und Zivilcourage. Natürlich macht sich ein derart soziales Engagement schon in der Schule auch in einem Bewerbungsschreiben für einen späteren Ausbildungsplatz bezahlt. Viele Arbeitgeber achten heute nicht mehr nur auf gute Schulnoten, sondern vor allem auch darauf, ob und wie sich junge Menschen in und für die Gesellschaft engagieren. Da sticht die Mitarbeit im Schulsanitätsdienst immer positiv ins Auge. So ist laut Wolfgang Amend in den Mittelschulen angedacht, den Mädchen und Jungen in der 8. Klasse eine entsprechende Bescheinigung über die Teilnahme am Schulsanitätsdienst auszustellen, die sie dann bei Bewerbungen ihren Unterlagen hinzufügen können. Zum Ende des Schulsanitätsdienstes sollen sie soweit ausgebildet sein, dass sie einen Erste-Hilfe-Ausweis bekommen. Mancher Schulabgänger kann seine erlernten Fähigkeiten später mitunter sogar im Berufsleben anwenden oder engagiert sich als Erwachsener ehrenamtlich in einer Hilfsorganisation wie dem Bayerischen Roten Kreuz. Wolfgang Amend berichtet von einer jungen Frau, die Bademeisterin geworden ist, in deren Beruf eine Erste-Hilfe-Ausbildung unerlässlich ist. Eine andere junge Frau, Christina Ulbrich aus Hofheim, die einst Schülerin von ihm gewesen ist, engagiert sich beim BRK Haßberge seit vielen Jahren in der Bereitschaft Hofheim und stellt dort ihr Fachwissen als Köchin bei der Verpflegung von Einsatzkräften oder Betroffenen bei Großschadenslagen zur Verfügung. Sie ist zudem SEG-Leiterin des Fachdienstes Verpflegung sowie stellvertretende Fachdienstleiterin Betreuung. Bei ihrem Ausbildungswochenende im Eberner Rotkreuzhaus haben die Schulsanitäter das Rüstzeug für ihre Erste-Hilfe-Arbeit an den Schulen gelernt bekommen. So standen unter anderem das Vorgehen beim Auffinden einer hilfsbedürftigen bzw. bewusstlosen Person auf dem Lehrplan, des Weiteren das Anlegen von Verbänden zur Wundversorgung und Blutstillung, der Wärmeerhalt und die Betreuung von Verletzten und Erkrankten. Einen wichtigen Part nahm zudem das Erlernen der stabilen Seitenlage sowie die Herz-Lungen-Wiederbelebung unter Einbeziehung eines automatisierten externen Defibrillators (AED), umgangssprachlich auch Laien-Defi genannt, ein. Die Schülerinnen und Schüler waren mit Spaß und hoher Konzentration bei der Sache, lobte Fachlehrer Wolfgang Amend. Das Ausbildungswochenende war sozusagen zweigeteilt. Die Schulsanitäter der Mittelschule Ebern begannen die Ausbildung bereits am Freitag und übernachteten im BRK-Jugendhaus, um dann am Samstag ihre Ausbildung fortzusetzen. Die Schulsanis von der Mittelschule Hofheim, die ihre Grundausbildung schon durchlaufen haben, stießen dann am Samstag zur weiteren Fortbildung dazu. Neues und bereits Erlerntes wurde gemeinsam geübt und vertieft. So lernten sich die Schulsanitäter der beiden Schulen kennen und konnten gemeinsam Üben – ein besonderes Erlebnis für die Mädchen und Jungen. Die Zusammenarbeit zeigt, dass die beiden Schulen nicht nur auf dem Papier ein Schulverbund sind, sondern diesen auch leben. Neben der Ausbildung hatte sich Wolfgang Amend ein begleitendes Freizeitprogramm einfallen lassen. So gab es beispielsweise eine Nachtwanderung zum Eberner Käppele mit herrlichem Weitblick auf die beleuchtete Stadt, ein Candle-Light-Dinner mit gemütlichem Beisammensein im Jugendhaus sowie einen Einblick in die Arbeit der BRK-Rettungshundestaffel Haßberge mit Hündin Ronja. Eine Grundausstattung für den Schulsanitätsdienst erhalten die Schulen übrigens kostenfrei vom Rotkreuz-Kreisverband Haßberge, wie Amend deutlicht macht, darunter beispielsweise einen Notfallrucksack und Verbandsmaterial. Die Schulen stocken die Ausrüstung dann für sich weiter bedarfsgerecht auf. So wurden von der Mittelschule Ebern beispielsweise zusätzliche Atemspendemasken angeschafft, mit denen eine wirkungsvolle Mund-zu-Mund-Beatmung möglich ist. Derzeit sind an der Mittelschule in Ebern acht Schulsanitäter aus der 7. Jahrgangsstufe aktiv. An der Mittelschule Hofheim sind es elf aus den Jahrgangsstufen acht und neun.

PM 066 / 2017. Text u. Foto: Michael Will / BRK Haßberge